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Pillenwarnung - Update vom 16. November 2007

Erneutes Auftauchen von Ecstasy-Falsifikaten


Pillenwarnung per E-Mail von Steffen Goller (Drogerie-Projekt Erfurt) vom 16. Nov. 2007:
Warnung – Pillen mit Meta-Chlorphenylpiperazin im Umlauf!

von Hans Cousto, Eve & Rave Berlin

 

 

 

Derzeit sind Ecstasy-Falsifikate mit Meta-Chlorphenylpiperazin (m-CPP) im Umlauf. Es handelt sich dabei um rosa und weiße Pillen mit dem Logo »Dollarzeichen« (Dollarzeichen mit nur einem senkrechten Stich, auch Stringzeichen genannt) und um hellgrüne Pillen mit dem Logo »Smiley«. Die Rückseiten der Pillen sind jeweils mit einer Bruchrille versehen. Die Pillen, die in großer Zahl hergestellt wurden, stammen aus den Niederlanden und sind bisher in Sachsen und teilweise auch in Berlin aufgetaucht. Nach dem Konsum von Pillen mit dem Wirkstoff m-CPP kommt es oft zu heftigen und unangenehmen Nebenwirkungen, wobei meistens nur sehr wenig eines erwünschten psychotrop wirkenden Effekts zu spüren ist.


 

Vorsicht, diese Pillen enthalten m-CPP und kein MDMA

   
  Photos: Zollfahndung Dresden  
 
Logo:

Dollarzeichen
(Stringzeichen)

Dollarzeichen
(Stringzeichen)

Smiley
 
  Farbe: rosa weiß hellgrün  
  Bruchrille: ja ja ja  
  Durchmesser: 8,1 mm 8,1 mm 8,1 mm  
  Dicke: 4,3 mm 3,9 mm 4,3 mm  
  Wirkstoff: m-CPP
(nicht quantifiziert)
m-CPP
(nicht quantifiziert)
m-CPP
(nicht quantifiziert)
 
 
Testort, Testzeit:

Dresden, Oktober/November 2007
 

 

 

 

Meta-Chlorphenylpiperazin

Chemische Beschreibung und Namen

Meta-Chlorphenylpiperazin [1-(3-Chlorphenyl)piperazin] ist ein Piperazinderivat, das allgemein und vornehmlich nur unter dem Namen m-CPP respektive mCPP bekannt ist. Das »m« steht für »meta« und bezeichnet die Position des Chloratoms (an Position drei) am Phenylring und »CPP« steht für Chlor-phenyl-piperazin. Weitere Bezeichnungen für m-CPP sind 3-CPP respektive 3CPP. Das Acetyl von m-CPP ist unter dem Namen 3CI-PP bekannt.

Je nach der Position des Chloratoms am Phenylring gibt es weitere Isomere von CPP [Isomerie = Vorkommen von verschiedenen chemischen, pharmakologischen und physikalischen Eigenschaften bei Substanzen mit gleicher Summenformel respektive bei Substanzen, die aus den gleichen Atomen zusammengesetzt sind.]. Von CPP sind folgende Isomere von Bedeutung:

1-(2-Chlorphenyl)piperazin = o-CPP = oCPP = ortho-CPP = 2CPP respektive das Acetyl 2CI-PP
1-(3-Chlorphenyl)piperazin = m-CPP = mCPP = meta-CPP = 3CPP respektive das Acetyl 3CI-PP
1-(4-Chlorphenyl)piperazin = p-CPP = pCPP = para-CPP = 4CPP respektive das Acetyl 4CI-PP

 

Vorsicht: Verwechslungsgefahr!

Die Kürzel »m-CPP« und »mCPP« stehen für Meta-Chlorpiperazin, das Kürzel »MCPP« hingegen für das Pflanzenschutzmittel (Herbizid) Mecoprop [2-(4-Chlor-o-tolyloxy)propionsäure respektive 2-(4-Chlor-2-methylphenoxy)propansäure]. Das Herbizid Mecoprop ist gesundheitsschädlich und wird auch über den Atem und die Haut aufgenommen.

 

Wirkungen und Nebenwirkungen

Die Panik und Angst induzierende Wirkung von m-CPP, einem Serotoninrezeptor-Agonist, ist medizinisch gut dokumentiert. Die Substanz m-CPP ist ein Metabolit [Stoffwechselprodukt] des nichttrizyklischen Antidepressivums Trazodon (Trittico®, Desyrel®, Thombran®) und des strukturell und zum Teil auch in seiner Wirkungsweise ähnlichen Antidepressivums Nefazodon (Nefadar®, nicht mehr im Handel) und wirkt vorzugsweise als 5-HT2C-Rezeptor-Agonist (HT = Hydroxytryptamin). Diese Eigenschaft macht die Substanz m-CPP für die wissenschaftliche Forschung interessant, da der 5-HT2C-Rezeptor ein elektophysiologischer Gegenspieler des 5-HT1A-Rezeptors ist. Eine Stimulation des 5-HT2C-Rezeptors verursacht eine Abnahme der Aktivität des 5-HT1A-Rezeptors. Eine Überstimulierung (Hochregulation) des 5-HT2C-Rezeptors ist meist mit einer (z.T. äußerst heftigen) depressiven Verstimmung verbunden. Deshalb wird die Substanz m-CPP in der medizinischen Forschung zur Analyse des funktionellen Einflusses genetischer Variationen (Genotyp) auf die 5-HT2C-Rezeptorsensitivität (Phänotyp) und die Änderung der Rezeptorsensitivität aufgrund einer medikamentösen Behandlung verwendet. Ziel solcher Untersuchungen an gesunden Probanden durchzuführen ist, die m-CPP-Pharmakokinetik mit Hilfe von neuen mathematischen Modellen zu charakterisieren und in ein pharmakokinetisch-pharmakodynamisches Modell zu integrieren, das die Änderungen der Hormonkonzentration, Befindlichkeit und Verhalten in Abhängigkeit von der m-CPP-Konzentration beschreibt.

Eine Deregulierung des Wechselspiels der Funktionalität der 5-HT-Rezeptoren durch eine nicht medizinisch kontrollierte Anwendung von m-CPP kann leicht zu Depressionen, Angstzustände, psychomotorischer Unruhe sowie zur Störung der Sexualfunktionen führen. Gebraucher dieser Substanz verspüren neben der eher schwach ausgeprägten wahrnehmungsverändernden Wirkung der Substanz (Glücksgefühle und optische Veränderungen) vor allem Kopfschmerzen und fühlen sich müde und depremiert und leiden nicht selten mehrere Tage an einer lang andauernden Niedergeschlagenheit. Es wird auch von Nervosität und Schweratmigkeit berichtet und den Konsumenten wird oft übel und sie müssen nicht selten erbrechen. Häufig überwiegen jeweils die negativen und unangenehmen Nebenwirkungen im Vergleich zu den erwünschten Wirkungen, die nur bedingt und schwach zu verspüren sind.

Nach dem Konsum von m-CPP kann sich der Urin in eine rostbraune bis rötliche Farbe verfärben. Diese Verfärbung verschwindet wieder nach zwei bis drei Tagen. Wer also solche Pillen konsumiert hat, muß nicht gleich in Panik verfallen, wenn sein (ihr) Urin auf einmal nicht mehr die übliche Farbe haben sollte. Dauert die Verfärbung jedoch länger als drei Tage an, dann ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Die Substanz m-CPP wurde in der Bundesrepublik Deutschland mit der 20. Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung (20. BtMÄndV) vom 14. Februar 2007 mit Wirkung ab dem 1. März 2007 in Anlage II zu 1 BtMG (verkehrsfähige, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel) aufgenommen. Die Substanz m-CPP unterliegt somit seit März 2007 den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften.

 

 

 

Allgemeine Informationen zu Drug-Checking

Eve & Rave Berlin
Drug-Checking: Download von Drug-Checking Informationen, Pillenwarnungen und Ergebnissen
http://www.eve-rave.net/abfahrer/download.sp?cat=1

Allgemeine Informationen
http://www.eve-rave.net


Eve & Rave Schweiz
Pillenwarnungen
http://www.eve-rave.ch/content/blogcategory/18/61/

Allgemeine Informationen
http://www.eve-rave.ch


Musikszeneprojekt Drogerie Erfurt
Pillenwarnungen
http://www.drogerie-projekt.de/?id=326#337

Allgemeine Informationen
http://www.drogerie-projekt.de/

 

 

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Fußnoten:

   

1.

Die Anfragen mit Suchmaschinen bei www.eve-rave.net nach der Substanz Ecstasy (ohne Anfragen nach MDMA) lauteten im ersten Halbkjahr 2007 wie folgt: Ecstasy (60%), Extasy (19%), XTC (11%), Extacy (5%), Ectasy (2,5%), Exstasy (0,9%), Ecstacy (0,8%), Exctasy (0,5%), Ecxtasy (0,3%). Offensichtlich informieren sich zahlreiche Leute im Internet, die in Sachen Rechtschreibung mangelhafte Kenntnisse haben – aber einen Computer bedienen können und Suchmaschinen richtig benutzen können – und vor allem Drogenkompetenz erlangen wollen!



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